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 BUCKELMANNS GEDANKEN ÜBER DIE SCHREIBMASCHINE

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rainerWsauer



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Anmeldedatum : 20.06.08
Ort : Jena

BeitragThema: BUCKELMANNS GEDANKEN ÜBER DIE SCHREIBMASCHINE   2008-08-11, 12:38

Auch wenn er sich heutzutage anschickt, Texte mit Hilfe der Tastatur eines Computers zu schreiben, Geistesblitze sozusagen in elektrische Obhut zu geben, auf die vage Hoffnung hin, dass sie nicht in die ewigen Schaltkreise übergehen werden, so hört Buckelmann dennoch bei jedem einzelnen Drücken der Tasten in seinem Hinterkopf immer noch leise das Geräusch seiner alten Splendid 33 Schreibmaschine. Nicht dass er sie vermissen würde, aber vergessen, jawohl, vergessen kann Buckelmann sie nicht.

Momente völliger Muße und Zurückgezogenheit sind es, da bricht mit aller Macht eine verblasste Erinnerung in sein Leben ein. Dann begibt sich Buckelmann zu dem versteckten Ort, an dem er seine Schreibmaschine vor den Blicken Neugieriger verborgen hält. Er nimmt die hervor, öffnet langsam und sanft ihren Verschluss, ganz genau so, wie er es früher so oft und so gerne tat, klappt den Kunststoffdeckel auf, legt ihn beiseite, spannt ein Blatt Papier ein, richtet es aus ... und dann schreibt Buckelmann mit Herzenslust einen Text nach dem anderen. Es gibt hierbei keine größere Freude für ihn, als ein falsches Wort zu tippen, es zu verbessern, es durchzu-X-en und dann weiter dem Klang der klappernden Typen zu lauschen, die durch die Kraft der Finger seiner Hände wie von selbst auf das Farbband sausen und dadurch auf dem Papier, wie immer 120 g/holzfrei, ein kleines literarisches Fragment entstehen zu lassen.

Aber das alles ist für Buckelmann nichts gegen den Klang der Olympia-Glocke. In diesen Momenten wird ihm klar ... nein: in diesen Momenten weiß er, dass jedem fühlenden Menschen durch den täglichen Fortschritt immer größere Verluste beigebracht werden. Natürlich hat auch das Neue seinen Reiz, im Speziellen wie im Allgemeinen - wer wüsste das besser als Buckelmann selbst, der bekennende ElektronikJunkie -, jedoch sind es die alten Dinge, die ihn wirklich bewegen.

Das Segeln auf hölzernen Schiffen gehört hierzu, deren Geräusch knarrender Planken und Balken verschallte, auch das Geklapper bei Kutschfahrten, das Rasseln ihrer Ketten, das Mahlen und Rollen der Räder und das Schnaufen der Pferde ist fast spurlos verschwunden. Ebenso das sich-im-Freien-bewegen, das sich-hinlegen-und-den-Himmel-betrachten, das vollständige Zubereiten einer Mahlzeit inklusive sämtlicher Zutaten ... all das ist in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr wichtig. Wie der Wohlklang einer Schreibmaschine.

So etwas kann nur der vergessen, der ihn niemals kannte, denkt Buckelmann. Und für einen kurzen Moment sieht es fast so aus, als ob er bei diesem Gedanken lächeln würde.
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