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 BUCKELMANN KANN DURCHAUS POETISCH SEIN

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rainerWsauer



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Ort : Jena

BeitragThema: BUCKELMANN KANN DURCHAUS POETISCH SEIN   2008-06-26, 09:50

Als er noch jung war, das war zu Anfang der 1970er-Jahre, entdeckte Buckelmann seine künstlerische Ader. Ausgelöst wurde dies durch eine Mundharmonika, die er sich über Monate von seinem wöchentlichen Taschengeld in Höhe von 75 Pfennigen zusammengespart und schließlich bei Musik-Renz am Wilhelmsplatz angeschafft hatte, und einem Kurzurlaub mit seinen Eltern und seiner Schwester am Kahler See. Dort packte Buckelmann die Poesie in einer derart überwältigenden Weise, dass er in einem Oktavheft, das er schon damals stes mit sich führte um gute Ideen festzuhalten, seinen ersten eigenen Song festhielt: 'When The Man With The Monkey Comes To Town'. Der Text handelte von einem Mann mit einem Affen, der in die Stadt kam, keine bestimmte Stadt sondern irgendeine irgendwo. Auf den Text kam es Buckelmann damals gar nicht so sehr an, was auch sein zweiter eigener Text bewies, eine freie Übersetzung von Roy Blacks 'Schön ist es auf der Welt zu sein', dessen Refrain Buckelmann wortgetreu mit 'Pretty Is It On The World To Be' übersetzte.

Die Musik war es, die ihn überwältigte. Mundharmonikamusik, um ganz genau zu sein, eigene, selbsterdachte, poetische Mundharmonikamusik. Durch sie konnte er bei den drei alten und halb ins Seewasser gewachsenen Pinien am gegenüberliegenden Ufer seinen Gefühlen so richtig ihren freien Lauf lassen. Nachdem er auf seiner Luftmatratze den See überquert hatte, saß er dort ganz allein und gequält und jammernd klang das, was seine Mundharmonika damals über die stillen Wasser des Kahler Sees von sich gab. Es war noch viel klagender als es irgendein Blues je hätte sein können.

Für Buckelmann war das, was er da machte, Poesie. Viel wusste er über die Poesie nicht, hatte wohl schon einmal ein Poesiealbum angesehen (Gabi Füller hatte ihm vor Jahren ihres mit einem scheuen Blick gegeben, weil er für sie etwas Poesie hineinschreiben sollte) und aus dem Kunstunterricht war Buckelmann das Bild vom stillen Poeten bekannt, aber was Poesie wirklich war, dass war ihm nicht vollkommen bewusst.

Irgend etwas hatte es mit Literatur zu tun. Hatte nicht Herr Reichert, sein Deutschlehrer, einmal etwas davon erzählt, dass sich im Deutschen die Poesie immer mehr dem Kitsch annähern würde, während in England der Oberbegriff 'Poetry' alle Formen der Dichtkunst abdeckt. Buckelmann war sich aber nicht sicher, ob sein Lehrer hier richtig lag. Schon einmal war der in Buckelmanns Gegenwart sprachlos geworden und zwar als er die alte Weisheit von Gottfried Benn zitierte, wonach sich in der deutschen Sprache nichts auf das Wort Mensch reimt, um dann zu versprechen, wer bis Ende des Halbjahres ein Wort fände, das sich auf 'Mensch' reimt, der würde von sämtlichen Hausaufgaben befreit werden.

"Nichts reimt sich im Deutschen auf Mensch, nicht mal die Leute von der Shilow-Ranch", sagte Buckelmann. Herr Reichert stand mit offenen Mund vor der Klasse und noch bevor er seine Fassung wiedergefunden hatte legte Buckelmann mit dem legendären Satz Peter Rühmkorfs nach: "Die schönsten Verse des Menschen, sind die Gottfried Bennschen".

"Man kann sich eben keinen Reim auf den Menschen machen, jedenfalls nicht in Deutschland" schrieb Buckelmann in sein Oktavheft, nahm seine Mundharmonika und blies erneut klagene Töne über den See. Wie schon gesagt: Buckelmann kann durchaus poetisch sein - seit 1972.
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