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 BUCKELMANNS VERWANDLUNG (Erster Teil)

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rainerWsauer



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BeitragThema: BUCKELMANNS VERWANDLUNG (Erster Teil)   2008-08-08, 10:13

"I might be more happy in this solitary condition, than I should have been in a liberty of society and in all the pleasures of the world." (Daniel Defoe 'Robinson Crusoe', Kapitel Acht)


Buckelmanns Verwandlung zu einem gegliederten Wurm aus der Klasse Oligochaeta begann Anfang September 2004 an einer Kasse des TESCO-Supermarktes in Haverfordwest, einem Ort der Grafschaft Pembrokeshire im mittleren Westen von Wales. Dort kaufte er sich vier frische, grüne, gut gewaschene Salatköpfe, mehrere Rollen Frischhaltefolie und eine Tube Gleitcreme. Buckelmann war, wenngleich kein Homosexueller, im Umgang mit Gleitcreme durchaus geübt; sexuelle Motive waren es aber letztlich nicht, die ihn dazu brachten, an diesem Morgen bei TESCOs eine Tube Gleitcreme zu kaufen. Ihm ging es vor allem um Regenwürmer und deren Leben: Buckelmann wollte Selbststudien im Freien betreiben, jene Theorien überprüfen, in denen es um soziale Konponenten sexueller Orientierung geht und er fand, dazu eigne sich der Regenwurm recht gut, ein Hermaphrodit, der Mann und Frau zugleich als ein Zwitterwesen existiert. Und er gab auch zu, dass es ihm, obwohl er weder Sadist noch Masochist sei, um Ausgrenzung ging, darum Qualen am eigenen Körper zu erleben und darum, wie es ist, ein Opfer zu sein. Ein menschliches Opfer, zudem in einer fremden Welt, weit weg von seiner Wohnung in Deutschland.

Am Abend fuhr Buckelmann mit stoppelkurz rasiertem Kopf von Haverfordwest aus nach Nordosten, zum stillgelegten Milchhof am Ortsausgang von Brawdy und begutachtete seine neue Wirkungsstätte. Ein Matschloch hatte er sich für seine Metamorphose ausgewählt, knapp einen Meter tief. Am Boden des Lochs hatte sich Wasser gesammelt, mit der dunkelroten Erde mischte es sich zu einer unansehnlichen Brühe und drum herum wuchsen Gräser und Kräuter. Am nächsten Morgen sollte es losgehen.

Buckelmann, der familiäre walische Wurzeln und Kontakte hatte (sein Onkel war nach dem Zweiten Weltkrieg aus englischer Gefangenschaft nach Wales entlassen worden, hatte dort seine Frau kennengelernt, geheiratet und sich in der Nähe von Haverfordwest angesiedelt) hatte seine künstlerisch interessierten Freunde und Bekannten aus Pembrokshire zu einem Kunstfest geladen, Diskretion selbstverständlich eingeschlossen, denn er wollte ja nicht schon nach fünf Minuten von der Polizei aus dem Matschloch entfernt werden. Neben das Matschloch stellte er nun ein Zelt, kochte Tee auf einem Gaskocher und schaute zum Himmel. Keine Sterne waren zu sehen, fast konnte man sagen, dass das Wetter so war, wie es Regenwürmer lieben: regnerisch und nicht zu warm.

Am nächsten Morgen zog Buckelmann zum Schutz der Gäste seines Kunstfestes eine Absperrleine um das Matschloch, denn schließlich sollte nur einer hineinfallen: er selbst. Gegen 11 Uhr war es dann so weit. Buckelmann setzte sich eine Schwimmbrille auf, zog sich bis auf seine modische Unterhose aus und wickelte so lange Frischhaltefolie um seinen Körper, bis Arme und Beine kaum noch zu bewegen waren. Dann drückte er mit den Zähnen die Tube Gleitcreme aus und lies die durchsichtige Paste zwischen Folie und Haut über seiner Brust laufen, wälzte sich anschließend hin und her um die Creme am Körper zu verteilen. Nachdem seine äußerliche Verwandlung vollzogen war, robbte er schweigend ins Loch. Neun Tage lang wollte Buckelmann nun ein gemeiner Regenwurm sein, ein Lumbricus Terrestris aus der Klasse Oligochaeta, braunviolett und von einer Schleimschicht umhüllt.

Wenig später saßen auch seine wenigen erschienenen Künstlerfreunde und Bekannten schweigend um das Loch herum; sie kannten das schon von früher, als Buckelmann bereits Schlange und Affenmensch gewesen war. Als es dunkel wurde gingen Buckelmanns Freunde schweigend und überliesen ihn der Nacht. Buckelmann hörte in dieser Nacht viele Geräusche und konnte nicht schlafen. Ihm war klamm und kalt und trotz der Frischhaltefolie war es ihm, als ob die Feuchtigkeit schleichend in seinen Körper eindrang.

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