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 BUCKELMANNS UHR

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rainerWsauer



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Ort : Jena

BeitragThema: BUCKELMANNS UHR   2008-07-22, 09:15

Es regnet leicht, als Buckelmann ohne Schirm aus seinem Haus tritt und zur Arbeit läuft. Buckelmann läuft in letzter Zeit öfters zur Arbeit, da sein Auto ihn verlassen hatte und das Fahrrad immer noch darauf wartete, dass Buckelmann ihm eine neue Kette schenkte. Keinen Schirm mitzunehmen ist kein Beinbruch, denkt Buckelmann, während er Richtung Bahnunterführung geht, schließlich haben schon die Höhlenmenschen keinen Schirm gehabt und trotzdem ist aus ihnen die ganze Menschheit hervorgegangen. Als Buckelmann die Bahnunterführung erreicht, regnet es schon heftiger. Man kann das daran erkennen, dass unter ihr einige Menschen das Ende des Regenschauers abwarten, darunter auch Studenten mit Fahrrädern, die gewöhnlich zu den härtesten zählen. Wartet ruhig, denkt sich Buckelmann, dieser Regen wird so schnell nicht enden. Bis der aufhört, bin ich schon lange auf Arbeit und er schaut auf seine Armbanduhr.

Buckelmann stutzt - seine Uhr ist verschwunden. Gerade noch auf der Ablage neben dem Waschbecken und jetzt schon nicht an seinem Arm. An Stelle der Uhr ziert ein blasser Streifen die ansonsten leicht gebräunte Haut. Buckelmann wäre aber nicht Buckelmann, wenn das ein wirkliches Problem für ihn wäre. Er stoppt kurz unter einer Linde, damit es nicht zu sehr regnet, wenn er seine Aktentasche öffnet, kramt aus dem vordersten Fach die Armbanduhr mit dem braunen Armband heraus, die er schon seit Wochen zum Uhrmachen bringen wollte, damit der eine neue Batterie einsetzt, und zieht sie an. Nun ist es auf Buckelmans Uhr viertel vor 11, aber kein Grund zur Panik, denn in der wirklichen Welt hat Buckelmann noch genügend Zeit um pünktlich ins Büro im Rathaus zu kommen. Feucht zwar, aber pünktlich.

Auf der Arbeit angekommen geht er gleich ins Vorzimmer zu Frau Böhm und meldet sich an. Gestern hatte ihn um 8 Uhr morgens eine schwere Zahnbehandlung ereilt und er war krank geschrieben worden. Das war ganz vernünftig gewesen, denn als gegen zehn Uhr die Wirkung der Spritzen nachzulassen begann, kamen die Schmerzen und Buckelmann konnte sie nur mit Hilfe von IBU Profan 600 Tabletten bekämpfen, die er seinerzeit seiner krebskranken Mutter ausgeredet hatte, weil die für diese aus Sicht Buckelmanns unnötig waren angesichts des Medikamentencocktails, den seine Mutter ohnehin schlucken musste. Ritterlich hatte sich Buckelmann angeboten, die Tabletten zu entsorgen, was er u.a. gestern auch getan hatte.

Mit einem geseufzten "Blödes Wetter" begrüßt ihn Frau Böhm. "Tja", sagt Buckelmann, auf dessen Hemd und Hose langsam die Regenflecken trocknen. "Was soll man machen. Es ist Sommer, es regnet, es ist kalt und noch ziemlich dunkel, obwohl es schon ..." Buckelmann schaut auf seine Uhr "... ziehmlich spät dafür ist, immer noch so dunkel zu sein." Frau Böhm sagt "Ja, ja" und noch mal "Blödes Wetter" und "Schön, dass es Ihnen wieder gut geht." Buckelmann bedankt sich artig bei ihr, geht zu seinem Büro und überlegt dabei intensiv, unter Angabe welchen Grundes er heute vormittag dringend zum Uhrmacher gehen muss, oder "Richtung Stadthof", wie er es nennen wird.

Dass er muss, das hatte ihm die Situation eben zweifelsfrei bewiesen. Ohne Uhr, denkt Buckelmann, ist man nur ein halber Mensch. Und mit Halbheiten hält sich einer wie er nicht auf.
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